Ein RĂĽckblick auf 30 Jahre GranitbeiĂźer

Von Anfang an

Wie sind wir eigentlich auf den Cavalier gekommen?
Unser erster eigener Familienhund war die Berner HĂĽndin Bessie,
eine ganz sanftmĂĽtige treue Seele.



Sie sollte Welpen haben, was ihr leider nicht vergönnt war.
Also kauften wir ihr zur Gesellschaft eine kleine trico-Dame, die bei Begegnungen meist als ihr Kind gesehen wurde, denn Zeichnung und Abzeichen sind sehr ähnlich.

Hesel vom Grevenstein entwickelte sich zu einer tollen HĂĽndin und bestand alle Voraussetzungen fĂĽr eine Zuchtzulassung.



NatĂĽrlich sollte ihr erster Wurf gut vorbereitet mit
Zwingerschutz und -Abnahme und nicht hoppla hoppla verlaufen.

Am 8. 7. 1991 kam der A-Wurf „Vom Grauen Granit“ mit 5 Mädchen zur Welt.
Hesel hatte insgesamt 3 Würfe mit 15 Welpen, erreichte mit 14 Jahren ein schönes Hundealter und findet sich als Stammutter unserer Zucht in fast allen Welpenahnentafeln mütterlicherseits wieder. Ihre Vitalität, Langlebigkeit und ihr freundliches Wesen, das sie bis an ihr Lebensende als Amme an alle Welpen vermittelte, sind in mehreren Hündinnen bis heute erhalten geblieben.
Sie lernten von Hesel bereits gesittetes Hundebenehmen.

Ihre Tochter Acita, mit der wir neben Andra unsere Zucht aufbauten, hatte nicht so viel GlĂĽck.

Sie starb im Alter von 4 Jahren an Eklampsie nach der Geburt mangels fehlender
kompetenter Kleintierärzte in der ehemaligen DDR.

30 Jahre im Zeitraffer

FĂĽr Hesel, Acita und Andra suchten wir uns passende DeckrĂĽden und das ZĂĽchten begann. Man besuchte Seminare um up to date zu sein und lernte durch den Mauerfall ganz Deutschland sowie andere Sichtweisen auf das Leben allgemein und die Zucht insbesondere kennen.
Die meisten WĂĽrfe verliefen nach Bilderbuch bis es 2003 nach 12 Jahren zum ersten Kaiserschnitt kam. Einige WĂĽrfe vergiĂźt man trotzdem nie!
1999 geschah der Unfall!
Unsere Lady lieĂź sich von 2 RĂĽden decken! Und bekam von beiden 4 Welpen.

 

Wie im wahren Leben muĂźten von allen Welpen und Eltern Gentests erstellt werden
um die Vaterschaften eindeutig zu ermitteln.
Mit einer Tochter Tanita konnten wir unsere Zucht glĂĽcklicherweise weiterfĂĽhren.



Mit Tanja zĂĽchteten wir 12 hĂĽbsche Welpen, darunter Florance.
Aus Flori behielten wir uns die Wilde Hilde (Heli), davon die Lacoste und davon die Tokia.
Tokia hatte eine sehr schwere Geburt und auch keinen Deckakt, wie man es sich als ZĂĽchter wĂĽnscht.
Deswegen haben wir die Zucht mit Toki beendet.
Sie bekommt keinen Wurf mehr und lebt als Prinzessin bei meiner Freundin Hella Egold.



In ihrem einzigen Wurf gab es leider nur 3 RĂĽden. Aber die Heli hatte 2011 noch eine wunderschöne Tochter Heidi, die im Zwinger „Von Den Lausitzer Heidewölfen“ bei Petra Hiepko mit Cleo und Erna die schöne Rasse bereichert.

 

Ein weiterer Superwurf kam 2005 zur Welt.
Unsere „RĂĽdenkönigin“ Bellamie ĂĽberraschte uns in einer komplikationslosen Geburt mit 8! RĂĽden, obwohl wir zu einem besonderen RĂĽden eine weite Reise in Kauf genommen hatten in der Hoffnung auf eine Nachfolgerin fĂĽr die Zucht.




Bellamie verbrachte ihren Lebensabend gemeinsam mit Unique bei lieben Freunden in Göttingen.



Umständehalber konnten wir eine HĂĽndin Jaqueline aus Bellamies erstem Wurf zurĂĽck kaufen, so daĂź unser Bellchen ĂĽber die Jacky im Zwinger „Von Landavia“ bei Trixi Streith ihre Langlebigkeit und Herzgesundheit bis heute vererben konnte.
(Jaqueline – Beauty – Artemis – Gloria – Melanie).



Jacky verdient in diesem RĂĽckblick eine kleine ExtrawĂĽrdigung.
Sie war immer der ruhende Pool im Rudel, nicht vordringlich, bescheiden, geduldig und freundlich. Einzig bei der Eroberung fremder Wurfkisten konnte sie energisch werden.
Welpen groĂźzuziehen verstand sie bis zuletzt als ihre Lebensaufgabe.
Obwohl sie leider keinen glücklichen Start ins Leben hatte und einmal einer schlimmen Beißerei mit fast tödlichem Ausgang für sie zum Opfer fiel, erreichte sie bei uns das biblische Alter von 16 Jahren.



Erwähnen möchte ich in diesem Rückblick auch unsere Enya.
Enya stammt aus einem holländischen Rüden, für den sich die vielen Kilometer Anfahrt mehr als gelohnt haben.
Sie liebte unsere Katze ĂĽber alles.

 

Sie war ein großer gutmütiger Bär ohne irgendwelche Allüren
und muĂźte mit 12 Jahren an einem kleinen Tumor sterben. Sie brachte in 3 WĂĽrfen 19 typvolle Welpen zur Welt. Eine Tochter bereicherte die Zucht im Zwinger „Von Den Bajuwaren“ mit Dreamgirl – Feodora – Virginia – Caro und lebt heute noch in der Klara in Bayern. 



 Auch in unserem Zwinger blicken wir mit Stolz auf Enyas Linie zurück.
Hier haben wir uns unsere Beauty – Ingrid – Rapunzel – Zinderella
und dieses Jahr unser Nesthäkchen Gute Trude zurück behalten. Auch hier leben ihre Gene noch weiter und finden sich sicher in vielen Ahnentafeln unserer Käufer.
Enya lebte bei lieben Freunden in Paunsdorf gemeinsam mit Beauty bis zu ihrem traurigen Tod in Eintracht.



Ein trauriger Wurf wird mir auch ewig im Gedächtnis bleiben…
Am 3. Mai 2016 bekam Ingrid 6 gleichgroĂźe hĂĽbsche Welpen von unserem Rocky.
Alle tranken gut und entwickelten sich prima.
Einer nahm jedoch täglich etwas weniger als die anderen zu, obwohl er genauso aktiv und selbständig an der Zitze war. Bereits mit 3 Wochen wog er 355g im Gegenstz zu dem Größten mit 515g.
Bei der anstehenden Wurmkur bat ich meine TĂ„ ihn besonders zu untersuchen.
Sie stellte ein fatales Herzgeräusch fest. Daraufhin fuhren wir zu 2 Spezialisten
und lieĂźen einen Herzultraschall machen, die sein Todesurteil besiegelten.
Eine Anomalie, die nichts mit der Herzinsuffienz der Cavaliere zu tun hat
und nicht operabel war, erwischte ihn.
Eigentlich sollte er sofort erlöst werden und das sagen Tierärzte nicht einfach grundlos…,
aber ich konnte es nicht.
Er war so aufmerksam, neugierig, anhänglich und pfiffig.
Es wurde ihm von 3 Tierärzten eine maximale Lebenserwartung von 3 Monaten vorhergesagt.
Er erlebte noch sehr glĂĽckliche intensive Wochen bei uns, bis er am 9. 7. zeigte,
daĂź er nicht mehr kann.
Aufgrund einer Laune der Natur mußten wir ihn erlösen.
Wir nannten ihn unseren Mini, weil er im Verhältnis immer kleiner wurde.

Was bleibt? – Die Gegenwart

Nach 30 Jahren kann ich resümieren, daß der größte Respekt der Natur gilt!
Die Natur holt uns immer wieder ein, egal, wieviel Vorsorge,
Recherche ĂĽber Ahnen oder Berechnungen wir fĂĽr einen geplanten Wurf ĂĽberlegen.
Die Natur hat ihre Gesetze, die richtig sind und die wir (noch) nicht überlisten können,
solange wir die Vererbung nicht kennen.
Ich habe bei allen Verpaarungen das Mögliche an Untersuchungen für gesunden Nachwuchs getan, soweit es in meiner Macht stand. Alle Zuchthunde wurden auf Herz und SM untersucht, wobei ich mich mehrere Jahre in SM verrannt hatte,
was wohl nicht der Schwerpunkt beim Cavalier ist. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.
Ich denke, das Herzproblem ist nach wie vor dominanter als SM, wenn die Tiere
aus verantwortungsvollen untersuchten Zuchten gekauft werden.
In den Ahnentafeln unseres Clubs sind ja alle Gesundheitsatteste auch der Vorfahren ersichtlich.
Ich habe mal eine Statistik meiner eigenen gehaltenen Cavaliere bezĂĽglich ihrer Lebenserwartung erstellt. So wurden 27 in unserem Zwinger gehaltene Cavaliere 275 Jahre alt. Das ist ein durchschnittliches Alter von 10,2 Jahren.
Aber nicht nur beim Verlust unserer geliebten Hunde hat die Natur letztendlich die Oberhand, obwohl wir heutzutage bereits durch weitentwickelte Medikationen EinfluĂź
auf ein lebenswertes Alter nehmen können.
Auch bei den Geburten hat die Natur das letzte Wort. Nach 85 Geburten,
bei denen ich vom ersten bis zum letzten Welpen als Hebamme dabei war,
gibt es niemals eine Routine! Immer wieder stehen trotz Erfahrung und dem Wissen, was zu tun ist, Respekt und Aufregung im Vordergrund.

Während der ersten Hälfte unserer Zuchttätigkeit standen rückblickend
eher Show und Event im Vordergrund während die zweite Hälfte vorwiegend von Gesundheitsvorsorge geprägt war. So gingen aus unserem Zwinger 15 Champion,
Jugendchampion und bei einem Trip nach Luxembourg sogar ein Luxembourgischer Champion hervor.

Davon abgesehen gibt es zahlreiche Tagestitel wie Landessieger.
Darauf sind wir sehr stolz, denn diese Prädikate finden sich alle in den Ahnentafeln
unserer Nachkommen bis heute wieder.

Was bleibt, sind zur Zeit 8 Hunde,
fast alles Veteranen, davon noch 2 Zuchthündinnen und unser Nesthäkchen Trudi.

Die Zucht naht dem Ende, geschuldet auch dem Alter,
einer HĂĽft-OP, einer gebrochenen Hand, die nicht mehr reparabel ist und Covid…,
welches Gemeinsamkeiten und Austausch im Gespräch auf Augenhöhe seit 2 Jahren verhindert.
Es gibt bei den GranitbeiĂźern maximal noch einen Wurf im Jahr.
Um so mehr freue ich mich, daĂź sie bei jungen engagierten ZĂĽchtern noch einige Zeit in den Ahnentafeln erscheinen werden!
Gerne denke ich an rennomierte befreundete Zwinger und ZĂĽchter wie „Fairytale Forest“
oder „Royal Companion“ zurĂĽck, deren Zwinger auch nicht mehr existieren,
aber für immer im Gedächtnis bleiben.
In diesem Sinne
wĂĽnsche ich mir das fĂĽr die GranitbeiĂźer fĂĽr die Zukunft auch noch lange.

Man blickt eher mit Freud als mit Leid auf die 30 Jahre zurĂĽck.
So viele Cavaliernasen durfte ich küssen! So viele Pfotenabdrücke zierten und zieren unser Haus! So vieles hat sich geändert,
aber nicht unsere Cavis und die Welpenkäufer.
Unbezahlbar die Freude in den Augen der neuen Hundeeltern, auch wenn es in Zukunft keine stubenreinen, pflegeleichten und bereits erzogene Welpen zur Abgabe gibt.
Irgendwas muĂź es ja fĂĽr die neuen Besitzer auch zu tun geben!

Da ich nun nicht mehr so viel Zeit fĂĽr die Zucht brauche, versuche ich unseren Club
in organisatorischen oder Zuchtbelangen zu unterstĂĽtzen.
Auch im Tierschutz wird bei der Vermittlung von Notfällen viel Hilfe benötigt. Damit möchte ich mich verabschieden, nicht ohne ein ganz besonderes Dankeschön an Bianca Jaworski,
ohne deren kompetente Hilfe dieser Rückblick nicht entstanden wäre.

 Bianca mit ihren Cavalieren:
Smarty, Dorian und Hemmingway


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